Bürgerkommune Dorsten – eine gute Absichtserklärung

Veröffentlicht am 01.11.2019 in Kommunalpolitik

Zur Umsetzung bedarf es aber mehr als wohlgesetzter Worte

 

Für die Idee, die Bürger unserer Stadt nicht nur zu informieren, sondern sie auch aktiv zu beteiligen, haben die Rhader und Dorstener Sozialdemokraten jahrelang unermüdlich geworben. Dass dabei nicht nur offene Türen im Rathaus und bei den anderen Parteien vorgefunden wurden, gehört zur Wahrheit dazu. Das heutige Ergebnis sollte aber nicht kleingeredet werden. Aber es darf auch nicht überhöht werden. Der Bürgermeister versteht es in der Regel, seine Worte wohl zu setzen und Bilder in seine Gedanken einfließen zu lassen. In seiner aktuellen Haushaltsrede hat er aber dabei etwas übertrieben. Einige Auszüge:

  • „Ich spüre in unserer Stadt, dass immer mehr Menschen verstehen und leben, dass eine Stadtgesellschaft mehr ist als die Gemeinschaft von Kunden und dass eine Verwaltung und die Politik mehr sind als Dienstleister. Je mehr wir verstehen, dass wir eine große Familie mit 76.000 Mitgliedern sind, …“
  • „Verstehen wir uns als Stadtmütter und Stadtväter, die wie fürsorgliche Eltern in einer Familie versuchen, den Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht zu werden, zu vermitteln, Wissen weiterzugeben, zu ermuntern, zu ermahnen, Hilfestellungen zu geben, zuzuhören, gerecht zu sein, bei Entscheidungen an unsere Kinder und deren Nachkommen zu denken?“
  • „Ich hoffe, dass uns das Bild der Stadtfamilie in den nächsten Monaten bis zur Haushaltsverabschiedung im November helfen wird, gute und nachhaltige Entscheidungen für die Menschen in unserer Stadt zu treffen.“
  • Herzlichen Dank für Ihre Arbeit für unsere Stadtfamilie Dorsten mit ihren wunderbaren 76.000 Familienmitgliedern – die Dorstenerinnen und Dorstener“

Der Bürgermeister läuft Gefahr, die vorhandenen Stadtprobleme mit dieser Rhetorik überdecken zu wollen. Fakt ist nämlich, dass die klamme „Familienkasse“ nach wie vor keine großen Sprünge erlaubt. Fakt ist auch, dass Bürgerbeteiligung immer mit Forderungen verbunden ist. Wenn die „Familie“ aber mehrfach gespürt hat, dass die geweckten Erwartungen mit dem Begriff „Bürgerkommune“ nicht erfüllt werden (können), dann hat der Familienvorstand, sprich Rat, Verwaltung und Bürgermeister das Gegenteil von dem erreicht, was er sich vorgestellt und vorgenommen hat. Weniger Lyrik, mehr Sachlichkeit würden besser „im Volk“ verstanden, meint ein kritischer Rhader Bürger.  

 
 

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