Starke Frauen – Gestern und heute

Veröffentlicht am 08.05.2019 in Veranstaltungen

Dorstener SPD erinnert an erkämpftes Frauenwahlrecht vor 100 Jahren

 

Der erste Eindruck beim Betreten des Gemeinschaftshauses am Sonntagnachmittag ließ die Vorfreude auf das Kommende sprunghaft wachsen. Die Akteure der Veranstaltung begrüßten die 100 Besucher, bekleidet in der Mode um 1919, um sie so in die Geschichte des Kampfes um Gleichberechtigung mit eintauchen zu lassen. Obwohl das hartnäckige Ringen der Frauen deutlich länger als 100 Jahre andauerte, konnte der entscheidende Sieg erst 1919 errungen werden. Erstmals konnten alle Bürgerinnen, über 20 Jahre alt, an der Wahl zur Nationalversammlung teilnehmen. Aktiv und passiv. Grund für die Dorstener SPD mit ihrer Vorsitzenden Jennifer Schug an das revolutionäre Ereignis in besonderer Form zu erinnern. Und es waren Frauen an diesem Tag, die nachhaltig in ihren beeindruckenden Wortbeiträgen aufzeigten, dass das Gerede vom schwachen Geschlecht zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt war.

Ulrike Westkamp, seit 2004 Bürgermeisterin in Wesel, ließ die Geschichte Revue passieren und erinnerte an die starken sozialdemokratischen Frauen der damaligen Zeit, die ihre zugewiesen Rolle, nur als Mutter und Hausfrau wahrgenommen zu werden, endlich abstreifen wollten, um mitzubestimmen. Ein wahrlich revolutionärer Akt. In einer kurzen Schauspielsequenz wurde aber deutlich, dass der Mann und alleiniger Geldverdiener zu dieser Zeit, daraus seine Vorrangstellung autoritär ableitete.

Es war Edelgard Moers, unter anderem Vorsitzende des Heimatvereins der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten, die danach nicht nur an die starken Dorstener Frauen der damaligen Zeit erinnerte, sondern beeindruckend aufzeigte, dass es sie bis heute gibt. In der Politik, im Beruf, in der Familie. Aber, so ihre Analyse, das vor 100 Jahren errungene Wahlrecht ist noch nicht gleichbedeutend mit gelebter Gleichberechtigung verbunden. Wenn  nur 18 Prozent der Dorstener Ratsmitglieder Frauen sind, dann ist das ein eigentlich nicht zu verstehendes Missverhältnis.

Mit einer weiteren Schauspieleinlage wurde das eben Gehörte nachhaltig bestätigt. Gleiche Rechte bedeuten auch gleiche Pflichten. Den im Publikum sitzenden Männern, darunter auch einige der Dorstener Parteien, werden die Ohren geklingelt haben.

Beate Pliete war aus Haltern gekommen, um vorzutragen, dass der Kampf um die Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frau noch lange nicht abgeschlossen ist. Selbst Fraktionsvorsitzende der Halterner SPD, verstand sie es hervorragend, den Bogen der Geschichte bis in die Echtzeit zu spannen. Gleiche Arbeit, gleicher Lohn? 50% Bevölkerungsanteil aber nur wenige Führungspositionen in der Wirtschaft? „Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an“, so ist ihr deutlicher Appell zu interpretieren.

Jennifer Schug zeigte sich abschließend zufrieden, dass es mit der Veranstaltung gelungen ist, die Geschichte der Frauenbewegung in Worten und Schauspiel zu verdeutlichen. Aber, so ihr Fazit, es ist kein abgeschlossenes Kapitel. Die am 26.Mai bevorstehende Europawahl  muss genutzt werden, um dem stärker gewordenen Nationalismus etwas entgegenzusetzen und insbesondere die Ewiggestrigen, die auch heute noch gegen die Gleichberechtigung agieren, in ihre Schranken zu verweisen. Eine gelungene Veranstaltung der Dorstener SPD in einem besonderen Format.

 
 

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